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Das Unaussprechliche im Bundestag: Sie werden uns jagen, aber wir sind schneller!

Alles schlecht und schwer zu verstehen. Ich bin verwirrt, deshalb kein Bild. Wieder mal! Das Wahlergebnis von gestern kann einem linksgrünversifften Gutmenschen wie mir ordentlich die Laune verhageln, obwohl es ja absehbar war, dass die Unaussprechlichen in den Bundestag hinein gewählt werden.

Jetzt kann man natürlich jammern und hadern, was das Zeug hält. Ebenso kann man die Schuldigen dafür ausmachen: Ob es z.B sinnvoll war, die Forderungen der Unaussprechlichen während der Legislaturperiode teilweise umzusetzen oder auch nur zu diskutieren. Der Obergrenzen-Horst und die Sorgen-Sarah mögen nicht so recht verstanden haben, dass die Menschen lieber gleich das Original wählen. Zumal man die Themen der Unaussprechlichen ja damit auch noch salonfähig gemacht hat.

Man darf hingegen froh sein, dass nur 13 Prozent der Wählerinnen und Wähler Hass und Abgrenzung gewählt und der Rest verstanden hat, um welche Sorte Partei es sich mit den Unaussprechlichen handelt: Es ist eine Partei, deren erste Vision es ist, abzurechnen mit all denen, die sich ihrer Ideologie entgegenstellen, sei es politisch oder medial. Die zweite Vision ist die Herstellung einer reinrassigen Leitkultur unter energischer Verschickung des Anderen an seinen Platz: Die deutsche Frau an den Herd und in den Kreißsaal, die deutsche Jugend an die Waffen, Homosexuelle in die heterosexuelle Ehe oder in die Psychiatrie, der linke Journalist in den Knast, der Ausländer zurück in sein Land! Auf keinen Fall geht es dieser Partei um den Erhalt der Demokratie oder um den "kleinen Mann".

Wie aber kommen die 13 Prozent zustande? Der schleichende Prozess der Etablierung demokratisch verpackter Demokratiefeindlichkeit hat aus meiner Sicht mehrere, tief sitzende Ursachen:

1. Wenn eine Gesellschaft allein auf Leistung und Wettbewerb ausgerichtet ist und Werte wie Güte, Rücksicht, Aufmerksamkeit zu verzichtbaren Accessoires eines kapitalistischen Wertesystem degradiert werden, kann Zweierlei passieren: Es produziert einerseits sozial und finanziell Abgehängte, die sich diesem Wettbewerb entziehen und, spätestens in zweiter Generation, für demokratische Abläufe nicht mehr zu gewinnen sind. Andererseits produziert es jene, die sich dem Leistungsprimat unterordnen und ihre Ellenbogen weit ausfahren. Letztere Sorte neigt zur Kategorisierung von Menschen in wertvoll und wertlos und pflegt einen Hass gegen alles, was irgendwie anders als angepasst ist.

2. Das ist natürlich ein grundsätzliches Problem des Bildungssystems, das nicht in der Lage ist, ein ganzheitliches Lernen mit Kopf, Hand und Herz zu ermöglichen und stattdessen die Schüler einseitig auf die Anforderungen einer Leistungsgesellschaft drillt. Diesem Bildungssystem können sich nur Angepasste unterordnen. Die Leistungsfähigkeit von Kindern der Bildungsbürger ginge nachweislich zurück, wenn Kinder von Sozialhilfeempfängern auch noch ihr Abitur machen würden. Deshalb muss die Bildungsgleichheit für sogenannte, bildungsferne Schichten unerreichbar sein. Es bleibt ferner allein in der Verantwortung einzelner Lehrender, Fachidiotie und soziale Fahnenflucht der erfolgreich ausgesiebten Lernenden zu verhindern. Am Ende kommt dabei sonst z.B. ein Schäuble heraus, der die Zahlen zwar kennt, aber nichts mit ihnen anzufangen weiß. Der sich zwar in den Dienst des Geldes, aber nicht in den des Sozialen stellt. Weil er: nichts anderes kann!

3. Das Aushebeln der Demokratie durch Politiker gemeinhin: Ob es sich um alternativlose Politik handelt, die Ächtung demokratischer Parteien, um nicht-öffentlich diskutierte Gesetzesvorlagen und Handelsabkommen, um verschleppte bzw. nicht beachtete Volksabstimmungen und Bürgerbegehren (auch auf Europaebene), sowie ein Europaparlament, das im Zweifelsfall wirtschaftlichen Interessen (EU-Kommission) unterliegt (z. B. Glyphosat), die ständig ausgebaute Video-Überwachung mitsamt des schleichenden Abbaus von Grundrechten, etc. Das alles kann den Bürgerinnen und Bürgern schon das Gefühl geben, "denen da oben" ausgeliefert zu sein. Demokratie muss jedoch vorgelebt werden. Die angeblich linke "Mainstreampresse" hat da leider eine zu große Vermittlerrolle gespielt.
 
4. Die Unschärfe von Begrifflichkeiten und damit die Annektion durch die Rechten: Die Rechte eignet sich unzureichend definierte Begrifflichkeiten an und deutet sie nach ihrem Gusto um. So what? Das wäre nicht so schlimm, wenn Politik und Medien diese Deutungen nicht unkritisch übernehmen würden. So macht z.B. Angela Merkel in der Darstellung der Neurechten linke Politik. Was an ihrer Politik links sein soll, kann jedoch keiner so richtig erklären. Aber Merkel macht halt eine Politik, die den Rechten (und anderen) nicht gefällt. Aber nur das, was den Rechten nicht gefällt, wird automatisch zu linker Politik! Auf diese Weise wird auch Gendermainstreaming zum Schreckgespenst, mit dem heterosexuell geborene Kinder strammer Deutscher schwul gemacht werden sollen. Fake-News ist alles, was nicht in mein vorgefertigtes Weltbild passt. Und PC heißt, dass man von Gutmenschen weichgespült wird und die Dinge nicht beim Namen nennen darf.  

Hier der Versuch eines Glossars:

Fake-News: absichtliche Verbreitung falscher Nachrichten zum Zwecke der Desinformation, ohne erkennbaren Willen zur Korrektur. Nicht zu verwechseln mit schlecht recherchierten Nachrichten oder fehlerhafter Berichterstattung aufgrund von Falschinformationen Dritter

Politische Korrektheit: verbale oder nonverbale Diffamierung, Herabwürdigung oder Stigmatisierung von Menschen AUFGRUND ihrer Ethnie, Herkunft und Gesinnung bzw. WEGEN ihres Geschlechts oder ihrer geschlechtlichen Orientierung, etc. Liebe Neurechte und Nazis: Selbstverständlich darf man alle Menschen kritisieren. Aber nur wegen ihres individuellen Verhaltens und ihrer öffentlichen Äußerungen.

Gender-Mainstreaming: Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen für die wissenschaftlich belegte Tatsache, dass Geschlechtsrollen sozial konstruiert sind und die geschlechtliche Orientierung angeboren ist - nicht umgekehrt! Eltern, die ihre Kinder von der Erkenntnis fernhalten wollen, ob und wie sich in ihrem männlichen, weiblichen oder intersexuellen Körpern sowie mit ihren Neigungen arrangieren möchten, handeln nicht im Sinne ihrer Kinder, sondern reagieren auf sozialen Druck. Wer sozialen Druck vor das Glück seiner Kinder stellt, darf sich die Frage stellen lassen, wen er mehr liebt!

Linke Politik: progressive, auf soziale Gerechtigkeit gerichtete Politik, mit der Neigung, den vorhandenen Reichtum von oben nach unten zu verteilen. Nicht zu verwechseln mit rechter Politik, die das absolute Gegenteil darstellt. Oder mit christlicher Politik, die den Namen, unter dem sie firmiert, nicht mehr verdient.

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